Ort

Ausstellungsorte des Kölnischen Kunstvereins

Anfänge
Der 1839 gegründete Sitz des Kölnischen Kunstvereins war zunächst im Wallraf’schen Museum in der Trankgasse 7. Die Ausstellungen fanden in dieser Zeit im Gürzenichsaal und im Spanischen Bau am Rathausplatz, ab 1852 in der ehemaligen Posthalterei, Glockengasse 11-15 und ab 1861 im neuen Museum an der Rechtsschule statt. 1891 zog der Kunstverein ins Erdgeschoss des Museums und erhielt dort einen eigenen Eingang.
Da das Wallraf-Richartz-Museum nicht länger die Räumlichkeiten, die der Kunstverein bespielte, entbehren konnte, zog man 1915 unter der Leitung von Paul Cassirer vom Museum in das neugotische Schaebensche Haus am Domkloster 3. In den zwar kleinen aber repräsentativen Schauräumen wurden französische Impressionisten und die deutschen Liebermann, Slevogt oder Corinth präsentiert. Daneben zeigte man dort die Kölner und rheinischen Avantgardisten.1920 eröffnete die Commerzbank ihre erste Niederlassung in Köln und überredete den Kunstverein zum Verlassen der Räume aufgrund ihres Eigenbedarfs. 300.000 Mark stiftete sie aus diesem Anlass für einen Neubau des Kunstvereins.

Im Jahre 1921 erhielt der Kunstverein im Erbbauerecht von der Stadt Köln ein Areal am Friesenplatz 27/27a. Der Architekt Ludwig Paffendorf erbaute ein im klassizistischen Stil gehaltenes geräumiges Ausstellungshaus. 1922 zog der Kunstverein – nach vorübergehenden Asyl in der Dom-Galerie am Wallraf-Platz – in den Neubau ein. Oberbürgermeister Adenauer eröffnete das Haus mit der Ausstellung „Deutsche Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.“

1937 schlug die Stadt dem Kunstverein ein neues Domizil vor. Dabei wurden 1938 Überlegungen vorgetragen, den Kunstverein mit der Modernen Galerie des Wallraf-Richartz-Museums zusammenzulegen. Räumlich sollte der Kunstverein in eine neue Kunsthalle einziehen, die am Aachener Tor (zwischen Aachener- und Dürener Straße) gebaut werden sollte. Die Kriegseinwirkungen verhinderten die weitere Realisierung des Bauvorhabens. Heute steht auf dem Grundstück das Museum für Ostasiatische Kunst.

Kriegsschäden
In der Nacht vom 28. auf dem 29. Juni 1943 wurde das Haus auf dem Friesenplatz bei einem englischen Luftangriff durch Bombeneinschlag weitergehend zerstört. Die Räume brannten aus, Bestände und sämtliche Akten wurden vernichtet. Das Sekretariat wurde vorübergehend in den Räumen des Stadtarchivs am Gereonswall 12 untergebracht. Einen neuen Ausstellungsraum erhielt der Kölnische Kunstverein ab Herbst 1943 in der Halle der Universität über dem Eingangsportal. Nach der Besetzung Kölns durch die Engländer im Juni 1945 erlosch vorübergehend die Tätigkeit des Kunstvereins.

Interimslösungen
Dr. Josef Haubrich, der schon in den 20er Jahren Vorstandsmitglied im Kölnischen Kunstverein war, betrieb nach dem Krieg bei den englischen Besatzungsbehörden die Aufhebung des Verbotes des Kunstvereins, die er 1946 erreichte. Er wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Die Institution war nach dem Krieg wieder hergestellt, ein Haus fehlte jedoch. Der nahe liegende Wiederaufbau des Hauses am Friesenplatz, dessen Grundmauern erhalten geblieben waren, wurde von der Stadt abgelehnt. Dem Kulturdezernenten Steinforth gelang es, Mitte 1946 die zwar durch Bomben angeschlagene Hahnentorburg für den Kunstverein zu gewinnen. Man dachte an ein Provisorium von zwei bis drei Jahre.
Wilhelm Riphahn plante in dieser Zeit im Zuge des Aufbaus der Hahnenstraße, etwa an der Stelle, wo um 1950 die Galerie Ferdinand Möller entstand, ein eingeschossiges Ausstellungshaus für den Kunstverein, als Ersatz für den „Tempel“ am Friesenplatz. Riphahn vermochte seine Bauidee nicht zu verwirklichen.

Josef-Haubrich-Hof
Der bekannte Kulturdezernent Dr. Kurt Hackenberg setzte erst im April 1967 die Errichtung der Kunsthalle am Josef-Haubrich-Hof durch, in der nach 20 Jahren großer Enge in der Hahnentorburg dem Kunstverein eine Halle an der Cäcilienstraße als Ersatz für das verlorene Gebäude und Grundstück am Friesenplatz gegeben wurde. Der Kunstverein erhielt dort eine Ausstellungsfläche von Rund 700 qm, moderne Verwaltungsräume und konnte auf die Infrastruktur der Kunsthalle zurückgreifen. Der Kunstverein nutzte in den neuen Räumen die Gelegenheit zur intensiven Präsentation aktueller internationaler Kunst unter der Leitung von Dr. Wulf Herzogenrath, Marianne Stockebrand und Udo Kittelmann.

Die Brücke
Im Jahre 2002 musste der Kunstverein sein Domizil an der Cäcilienstraße wieder verlassen. Das städtische Areal am Haubrich-Hof wurde über viele Jahre, zunächst für den Neubau des Wallraf-Richartz-Museums, dann für den Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums zur Disposition gestellt und schließlich der Abriss von Kunsthalle und Kunstverein geplant.
Als intermistische Unterkunft, für eine geplante Zeit von drei Jahren wurde der Kunstverein „Die Brücke“, ein von Riphahn 1949/50 erbautes Gebäude auf der Hahnenstraße, zur Verfügung gestellt. Da sich Pläne für ein dort einzurichtendes Design Haus zerschlugen und der Neubau am Josef-Haubrich-Hof sich im Jahre verzögerte, wurde dem Kunstverein das gesamte Haus für 30 Jahre übertragen. Eine nachhaltige Adaptierung, unter Einbezug der ursprünglichen Gestaltung und Nutzung der denkmalgeschützten Räume, hat der Kunstverein erfolgreich umgesetzt. In Eigeninitiative und mithilfe von nicht unerheblichen akquirierten Sponsorengeldern konnte die „Brücke“ in einen angemessen Zustand versetzt werden. Die Stadt erhielt ein repräsentatives kulturelles Gebäude zurück und der Kunstverein konnte seine Ausstellungstätigkeit fortsetzten.
In der „Brücke“ verfügt der Kölnische Kunstverein nicht nur über eine Ausstellungshalle, einen Projektraum und Büroräume, sondern zudem über zehn Künstlerarbeitsräume, die er neu eingerichtet hat, eine Künstlerwohnung, einen Vortrags-/Veranstaltungssaal und ein Kino, das er mit dem Filmclub 813 teilt.

Quellen:

  • Archiv des Kölnischen Kunstvereins im Historischen Archiv der Stadt Köln
  • Toni Feldenkirchen: ,, Über den Kölnischen Kunstverein und Anderes“, Köln 1978
  • ,,Vom Maler Bock zur schönen Gärtnerin“, Katalog zum Hundertfünfzigjährigen Jubiläum des Kölnischen Kunstvereins, Köln 1989