Hanne Darboven: Künstlicher Marmor, Kirche Neuenfelde, Harburg Elbe Nord

Hanne Darboven: Künstlicher Marmor, Kirche Neuenfelde, Harburg Elbe Nord

Hanne Darboven: Künstlicher Marmor, Kirche Neuenfelde, Harburg Elbe Nord, 1998. Foto: Schellmann Art, München.

3 Granolithographien auf Bütten
50 x 40 cm jedes Blatt
Auflage: 60
jeweils monogrammiert, nummeriert

Hanne Darbovens Œuvre ist geprägt von Rhythmus und Zeit, eine zugleich abstrakte und konkrete Einheit, ganz so wie ihr eigenes Werk. Ausgebildet als Pianistin und getrieben von der Überzeugung, dass Zeit die Essenz unserer Existenz ist, bestimmt ihr ausgeprägter Sinn für Tempo, Struktur und Wiederholung ihre Tausenden von seriellen Arbeiten auf oftmals Schreibmaschinenpapier: feinfühlig handgeschriebene mathematische Berechnungen und Zahlen, Codierungen, Kompositionen basierend auf Kalendertagen, Diagrammen, Textfolgen und Notizen – methodisch gemustert, gerastert und kombiniert mit Farbtönen, Bildern und Objekten und in Installationen angeordnet.

Die Jahresgabe des Kölnischen Kunstvereins, eine dreiteilige Lithographieserie, zeichnet Stationen aus Darbovens Leben in Hamburg auf. Die Abbildungen von künstlichem Marmor in drei verschiedenen Farbschattierungen sind mit handgeschriebenen Ortsangaben versehen. Jene Visualisierung und Sortierung von Informationen, Dokumenten und Daten nach selbst auferlegten Regeln nutzte Darboven nicht nur als eine weitreichende Aufzeichnung historischer Ereignisse aus Politik, Kultur und Gesellschaft, sondern auch ihrer eigenen Biografie. Ähnlich der Tätigkeit einer Historiographin, verleihen das breite Themenspektrum und der Reichtum ihres fotografischen Materials ihrem Werk den Anschein einer visuellen Enzyklopädie von (persönlicher) Zeitgeschichte.

Hanne Darboven (*1941 in München, gest. 2009 in Hamburg-Harburg) studierte bis 1965 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und war erstmals mit einer Einzelpräsentation 1967 in der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf vertreten. Es folgten zahlreiche weitere Einzelausstellungen u.a. 1970 im Museum of Modern Art und 1971 im Guggenheim-Museum in New York. Hanne Darboven nahm 1972, 1977, 1982 und 2002 an der Documenta in Kassel teil und vertrat Deutschland 1982 auf der Biennale di Venezia. Die Bundeskunsthalle in Bonn und das Haus der Kunst in München widmeten der Künstlerin 2015 gemeinsam eine parallele Retrospektive, um ihr herausragendes Schaffen zu würdigen. Ihre Werke sind in zahlreichen renommierten, internationalen Sammlungen und Museen für moderne Kunst zu finden.

€ 1.000,00
Hanne Darboven: Künstlicher Marmor, Kirche Neuenfelde, Harburg Elbe Nord, 1998. Foto: Schellmann Art, München.