José Montealegre – Nervous System

José Montealegre – Nervous System

20.8. – 16.10.2022

Eröffnung: Freitag, 19.8.2022, 19 Uhr

In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung Nervous System im Kölnischen Kunstverein setzt José Montealegre seine 2020 begonnene Werkserie Página fort. Ausgangspunkt für diese Skulpturen ist ein umfangreiches botanisches Archiv mit Pflanzenabbildungen, das als „Nova Plantarum“ bezeichnet wird und während der spanischen Kolonisation in Mexiko entstand. In diesem Archiv wurden von den spanischen Kolonisatoren Hunderte von einheimischen Pflanzen katalogisiert und neu systematisiert. Detailreich übersetzt der Künstler diese botanischen Illustrationen in Kupferskulpturen. In einer ortsspezifischen Installation werden sie im zweiten Stock des Kunstvereins im Innen- und Außenraum präsentiert. In seiner künstlerischen Praxis, die auch das Schreiben umfasst, entwirft Montealegre Erzählungen, die die Grenze zwischen Herkunft und (Fehl-)Übersetzung verwischen. Entgegen dem von Kolonialmächten geprägten Wissen lässt der Künstler marginalisierte Perspektiven auftauchen und fordert so kanonische(n) Geschichte(n) heraus.

Der Ausstellung folgt die erste Publikation von José Montealegre.


Erstens. Wie ein Protagonist einer Comic-Zeichnung, der in die sich rotierende Schnauze einer Gänsehautstadt aus Beton wie zum Beispiel New York eintaucht, schnappt meine lederne Aktentasche mit den Messingschnallen auf und alle meine Papiere fliegen weg.
Jetzt bin ich spät dran. Jetzt bin ich arm. Jetzt habe ich Träume. Jetzt fliegen sie weg.

Zweitens. Es ist furchtbar offensichtlich, dass jedes Gespräch über die Methodik der Kunst mit dem Leben beginnt und sicher auch endet. Es beginnt, weil es die Quelle ist, die den Brunnen anzapft. Es endet, weil aufgeblähte Goldfische die Beute der Falken sind.

Drittens. Dokumentenwirbelsturm. Scherenschnittstadt. Der Nerv, die Nerven, nervöse Nerven aus Stahl. Der Tornado aus Seiten wirbelt Ordnung
und Logik durcheinander und versetzt damit das Geschäftsgesprächs in einen unverständlichen Schwebezustand, wo die Bürokratie keinen Halt findet und die Rankenpflanze keine Wurzeln schlagen kann. Vielleicht haben Sie eine Fehlzündung des Neurons. 


Textauszug: José Montealegre

Kuratorin: Miriam Bettin


José Montealegre(*1992 in Tegucigalpa, Honduras) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Philosophie und Literatur an der Universidad Centroamericana de Managua, Nicaragua, und bei Willem de Rooij an der Städelschule in Frankfurt am Main. Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in der Klosterruine in Berlin, bei Mountains in Berlin (beide 2021), Convent Art Space in Gent (2019), The Fort in Brooklyn (2017) und in Gruppenausstellungen u.a. im Dortmunder Kunstverein (kommend), Lantz’scher Skulpturenpark Lohausen in Düsseldorf (2021), Städelmuseum in Frankfurt am Main, bei Natalia Hug in Köln (beide 2019), Futura Gallery in Prag, Gillmeier Rech in Berlin (beide 2018) und in der Kunsthalle Darmstadt (2017, 2014) gezeigt.


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