Trockel, Vampire & Köln. Es lohnt sich Mitglied zu werden.

Rosemarie Trockel: New Praesident, 2013. 32 x 44 cm, UV-Offsetdruck auf Papier, signiert

Kurz vor seinem 175-jährigen Jubiläum im folgenden Jahr initiierte der Kölnische Kunstverein im Herbst 2013 ein außergewöhnliches Projekt, das einen Brückenschlag zwischen den historischen Traditionen deutscher Kunstvereine und der Gegenwart darstellt. In Anlehnung an die im 19. Jahrhundert weit verbreitete Tradition der „Nietenblätter“, wird eine sog. „Vereinsgabe“ publizieren, die den Mitgliedern des Kölnischen Kunstvereins zur Verfügung gestellt werden soll. Dabei handelt es sich um ein handsigniertes Original, dessen Auflage sich nach der Höhe der Mitgliederzahl richtet. Mit dieser Geste soll daran erinnert werden, dass die Mitglieder die zentrale Grundlage für die Aktivitäten des Kunstvereins darstellen und sich mit der Institution seit deren Begründung im 19. Jahrhundert ein klarer demokratischer Gedanke verbindet.

Zu ausgesprochen großem Dank sind wir in diesem Zusammenhang Rosemarie Trockel verpflichtet, die wir zu unserer besonderen Freude und Ehre für den Auftakt des Projekts gewinnen konnten. Die in Köln lebende Künstlerin zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen der Gegenwartskunst und hat die Druckgrafik eigens für den Kunstverein gestaltet. Thematisch verweist das Blatt auf vorangegangene Editionen der Künstlerin für Ausstellungshäuser, die deren Leiterinnen und Leiter abbilden – wie bspw. Hans Ulrich Obrist von der Serpentine Gallery in London. Dementsprechend zeigt die Grafik des Kunstvereins den neuen Direktor, der als junger Vampir mit Schlips dargestellt ist. Dabei bleibt offen, ob Rosemarie Trockel mit dem Verweis auf die aus dem Volksglauben entlehnte Nachtgestalt auf den kölschen Karneval anspielt oder dem Direktor und den Mitgliedern die Unsterblichkeit wünscht.