
Ser Serpas – sonderbare Tage
4.9.–13.12.2026
Weitere Informationen folgen am 3. September.
4.9. – 13.12.2026

Ser Serpas – sonderbare Tage
4.9.–13.12.2026
Weitere Informationen folgen am 3. September.
4.9. – 13.12.2026

Anatomical Theatre
Riphahnsaal
4.9.–13.12.2026
Von Andreas Selg mit Fabienne Boldt und Emanuel Rossetti
Wo die Bühne aufhört
Ein Interview von Valérie Knoll mit Andreas Selg
Du beschreibst das Anatomical Theatre als ein „Theater ohne Theater“. Wie sollen wir uns dieses seltsame Gefüge, das etwas ist, was es nicht ist, ansehen?
Mit „Theater ohne Theater“ meine ich „Theater ohne Drama“, besser gesagt: ein Theater ohne Schauspiel. Mich interessieren die anderen Rollen: Regie, Dramaturgie, Bühnenbild, Maske, Requisiten, der Dialog hinter den Kulissen … kurz: Mich interessiert der gesamte Apparat, Theater in seiner Skelettform. Das zeigt sich in dem „Stück“: Das Publikum kann auf und hinter die Bühne. Auf die Frage, wie wir uns dieses Gefüge ansehen sollen: Wie eine Ausstellung.
Der Titel kündigt es schon an: Es handelt sich um ein Theater, das sich vom gewöhnlichen Bühnenstück unterscheidet. Was waren deine Überlegungen zum Titel?
Das anatomische Theater ist der Raum, meist ein Hörsaal der medizinischen Fakultät, in dem Sektionen am Leichnam durchgeführt werden. Das anatomische Theater ist also kein Theater, sondern ein Ort der Zergliederung. Da, wo das Innere zum Vorschein gebracht wird. Zunächst gefiel mir die akustische Nähe zu „Anatomie des Theaters“, bis ich über die Anfänge des öffentlichen Sezierens während des Karnevals in Bologna las. Von da an war der Titel gesetzt.

4.9. – 29.11.2026

The Leatherman
4.9.–29.11.2026
Mit Werken von Leonore Mau, Reba Maybury, Herbert Tobias, Dean Sameshima und Wolfgang Tillmans
Kuratiert von Kévin Blinderman, Pierre-Alexandre Mateos, Charles Teyssou
1978 entwarf Karl Lagerfeld ein Lederkostüm für Peter Chatels Theateradaption von The Leatherman. Das Stück selbst wäre beinahe verschwunden. Das Kostüm nicht. Chatels Projekt hatte mit Der Leatherman spricht mit Hubert Fichte begonnen, das 1977 von dem deutschen Schriftsteller und Ethnografen Hubert Fichte und Hans Eppendorfer veröffentlicht wurde. Das Buch, bestehend aus drei stark fiktionalisierten Interviews, die über mehrere Jahre hinweg geführt wurden, bewegt sich auf unsicherem Terrain zwischen Bekenntnis, Ethnografie und Selbsterfindung. Hans-Peter Reichelt, unter dem Namen Hans Eppendorfer geboren, hatte sich bereits mehrfach neu erfunden: als Mörder, Häftling, Schriftsteller, Lederdominator und Chronist der St. Pauli-Unterwelt. Selbst der berüchtigte Bericht über den Mord an einer älteren Frau, weil sie angeblich seiner Mutter ähnelte, wurde durch die Interviews stilisiert, sodass es zunehmend schwieriger wurde, zwischen Zeugenaussage und literarischer Konstruktion zu unterscheiden. Lange bevor Chatel ihn auf die Bühne brachte, hatte Eppendorfer seine eigene Biografie bereits in eine Performance verwandelt.
The Leatherman hat nie wirklich aufgehört, die Kostüme zu wechseln. Die 1979 von Peter Chatel am Théâtre du Lucernaire in Paris uraufgeführte Adaption verwandelte die Interviews von Fichte und Eppendorfer in einen Monolog in drei Akten, der hauptsächlich von Michel Albertini gespielt wurde, während Chatel zugleich als Regisseur und Schauspieler auftrat. Weniger als konventionelles Theaterstück denn als theatralisches dispositif gedacht, verdichtete es unvereinbare Zeitlichkeiten in einem einzigen Raum: archaisches Ritual und Fernsehästhetik, Ledermythologie und Wirtschaftswunder, die nachwirkenden Schatten der jüngeren deutschen Vergangenheit und die Erfindung neuer homosexueller Identitäten. Hamburg verlor allmählich seine Funktion als Schauplatz und wurde zur zentralen Figur des Stücks. Rainer Werner Fassbinder soll erwogen haben, das Werk selbst zu inszenieren, während die Präsenz von Daniel Schmids zwischen Camp und Barock changierendes Kino The Leatherman in eine größere deutschsprachige Konstellation rückt, in der Theater, Kino, Mode und Performance immer wieder ineinander übergingen.
