
Anatomical Theatre
Riphahnsaal
4.9.–13.12.2026
Von Andreas Selg mit Fabienne Boldt und Emanuel Rossetti
Wo die Bühne aufhört
Ein Interview von Valérie Knoll mit Andreas Selg
Du beschreibst das Anatomical Theatre als ein „Theater ohne Theater“. Wie sollen wir uns dieses seltsame Gefüge, das etwas ist, was es nicht ist, ansehen?
Mit „Theater ohne Theater“ meine ich „Theater ohne Drama“, besser gesagt: ein Theater ohne Schauspiel. Mich interessieren die anderen Rollen: Regie, Dramaturgie, Bühnenbild, Maske, Requisiten, der Dialog hinter den Kulissen … kurz: Mich interessiert der gesamte Apparat, Theater in seiner Skelettform. Das zeigt sich in dem „Stück“: Das Publikum kann auf und hinter die Bühne. Auf die Frage, wie wir uns dieses Gefüge ansehen sollen: Wie eine Ausstellung.
Der Titel kündigt es schon an: Es handelt sich um ein Theater, das sich vom gewöhnlichen Bühnenstück unterscheidet. Was waren deine Überlegungen zum Titel?
Das anatomische Theater ist der Raum, meist ein Hörsaal der medizinischen Fakultät, in dem Sektionen am Leichnam durchgeführt werden. Das anatomische Theater ist also kein Theater, sondern ein Ort der Zergliederung. Da, wo das Innere zum Vorschein gebracht wird. Zunächst gefiel mir die akustische Nähe zu „Anatomie des Theaters“, bis ich über die Anfänge des öffentlichen Sezierens während des Karnevals in Bologna las. Von da an war der Titel gesetzt.
