Pure Self Expression

Pure Self Expression

Pure Self Expression, Ankündigungsmotiv zur Ausstellung im Kölnischen Kunstverein 2007

Dirk Bell, Lisa Lapinski, Manuela Leinhoß, Melvin Moti, Mai-Thu Perret

Die KünstlerInnen Dirk Bell, Lisa Lapinski, Manuela Leinhoß, Melvin Moti und Mai-Thu Perret gehen auf sehr unterschiedliche Weise ihrem Interesse an kulturellen Phänomenen nach, die sich dem Unbewussten verschrieben haben. Bisweilen geraten sie dabei in einen schillernden Konflikt mit ihrer eigenen kritischen Position und einem rationalistischen Weltbild. In der Ausstellung Pure Self Expression sind Installationen, Skulpturen und Malerei zu sehen, die eine Nähe zu Handwerk und Selbstgemachtem verraten. Auf dieser formalen Ebene stellen sie die Frage von Autorschaft, die durch die referentielle Aufladung der Objekte wieder in Frage gestellt wird.

Lisa Lapinskis Skulptur Nightstand besteht aus aufeinander getürmten Möbeln, Schubladen, Schranktüren, Fundobjekten und Fotos. In der pyramidalen Anordnung lehnt sich Lapinski formal an die Zeichnungen von Lebensbäumen der religiösen Shakergemeinschaften des 19. Jahrhunderts an. Auch die verwendeten Gegenstände sind Möbeln der Shaker nachempfunden, die als Vorläufer des modernen Designs gelten.

Seit 1999 schreibt Mai-Thu Perret an The Crystal Frontier, einem fiktiven Text über eine Gruppe von Frauen, die die Großstadt verlassen, um eine autonome Kommune in der Wüste zu gründen. Dabei entstehen Banner, Requisiten, Teppiche oder Keramiken, funktionale wie funktionslose Gegenstände, die als Objekte dieser anonymen Gruppe ausgestellt werden und etwas von der Psyche dieser fiktionalen Gruppe aussagen sollen. Die Künstlerin spielt hier mit den Fragen von Autorschaft und beschreibt sich sozusagen als Produzentin eines “Guppenmaterials”.

Die Titel von Manuela Leinhoß’ Skulpturen wie Ich lerne aus der Vergangenheit, Fin de Siècle, Symmetrie, Anatomie und Schicksal! oder reziprok sind Teil des Spiels mit dem Missverhältnis von Objekt, Titel und Bedeutung. Ihre fragilen Objekte aus Gips, Kunstleder, Holz oder Papier scheinen miteinander in Kommunikation zu treten. Mit Präzision verzichtet sie auf Perfektion, erzeugt den Eindruck des Selbstgemachten und Unstabilen, und setzt sich damit bewusst selbst ins Werk.

Dirk Bells Malerei, Zeichnungen und Collagen verweisen in ihrer ephemeren formalen Erscheinung auf Vorbilder wie die Symbolisten, William Blake oder Leonardo da Vincis Zeichnungen. Sie scheinen in fast überzogenem Maße an die alte Vorstellung von der Kunst als einer Traumwelt zu appellieren. Bell zielt dabei sehr bewusst auf formale und inhaltliche Bezüge, die zunächst als Faux-pas erscheinen. Gerne ergänzt Bell seine Ausstellungen durch Objekte wie auf dem Flohmarkt gefundene Malerei oder T-Shirts, die den Referenzen ihre inhaltliche Überhöhung nicht zugestehen, sondern sie in ein gewöhnliches Feld popkultureller Verweise eingliedern. In dem er in gefundene Bilder hineinmalt, stellt er auch die Frage nach dem subjektiven Filter, den jede Rezeption darstellt.

Der Film The Black Room von Melvin Moti kombiniert ein fiktives Interview mit Robert Desnos über seine Experimente des automatischen Schreibens unter Selbst-Hypnose im Kreise der Pariser Surrealisten 1923 mit einer sehr langsamen Kamerafahrt entlang der Wände der römischen Villa Agrippa in der Nähe von Pompeiji. Hier wurden als Wanddekoration der Wände erstmalig Grotesken eingesetzt. Sie stehen für den Übergang von realistischer Illusion hin zu einer neuen Imaginationskraft und freien Repräsentation der Welt. Die Fresken spannen sozusagen den Bogen von trompe l´oeil zu Magie. Die Frage, wie spirituelle Erfahrung rekonstruiert und vermittelt wird, ist wichtiger Ausgangspunkt für Melvin Motis künstlerische Arbeit.